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Corporate Responsibility Bericht 2018

Lieferantenmanagement

Wir pflegen Geschäftsbeziehungen zu rund 20 000 aktiven Lieferanten in über 80 Ländern. Dabei setzen wir einerseits auf Vertrauen und Dialog, andererseits auf Performance Monitoring und leisten konkrete Unterstützung bei der Umsetzung von Nachhaltigkeitsstandards. Verschiedene Instrumente, Methoden und Maßnahmen helfen uns, die Nachhaltigkeitsleistung in unserer Lieferkette zu verbessern. Grundsätzlich versuchen wir, die Ursache der Probleme zu erkennen und in engem Austausch mit unseren Lieferanten zu lösen.

So machen wir unsere Lieferkette nachhaltiger

Unser Beitrag zu den SDG

Um unsere Lieferkette nachhaltiger zu gestalten, verwenden wir je nach Risikoeinstufung und Entwicklungsstand der Lieferantenbeziehung unterschiedliche Instrumente. Bei der Auswahl neuer Lieferanten fließt das Thema Nachhaltigkeit mit 10 Prozent in unsere Entscheidung ein. Damit schaffen wir einen wirksamen Anreiz für Zulieferer, ihr Geschäft nachhaltiger zu gestalten sowie nachhaltige Produkte und Dienstleistungen anzubieten.

Grundsätzlich nutzen wir einen dreistufigen Ansatz, um Risiken zu minimieren und unsere Lieferanten weiterzuentwickeln. Das Trichter-Schaubild zeigt diesen Prozess:

Risikenminimierung und Lieferantenmanagement

Im Vorfeld der Lieferantenbewertung klassifizieren wir unsere Warengruppen risiko- und chancenbasiert in kritische und unkritische Warengruppen. Auf Basis von Experteninterviews haben wir dafür 14 „Corporate Social Responsibility (CSR)“-Risiko-Kriterien und vier CSR-Chancen-Kriterien gebildet. Die Kriterien berücksichtigen ein breites Spektrum an Nachhaltigkeitsaspekten und -risiken, etwa das Risiko für Zwangs- oder Kinderarbeit oder Umweltverschmutzung, aber auch Chancen wie etwa Einsparpotenziale beim Energieverbrauch.

Methodik der Clusterung von Warengruppen nach CSR-Risiken und -Chancen (Risiko-/Chancen-Matrix)

In der ersten Stufe werden alle Lieferanten (kritische und unkritische Warengruppen) aufgefordert, unseren Verhaltenskodex für Lieferanten zu akzeptieren. Er stellt hohe ethische, soziale, ökologische sowie menschenrechtliche Anforderungen an unsere Zulieferer. Außerdem erfolgt im Rahmen des „Lieferanten-Onboardings“ (Lieferanten- Neuanlage) eine Risikobewertung durch eine externe Prüfgesellschaft. Dabei wird mithilfe einer umfassenden externen Recherche geprüft, ob bei einem unserer Zulieferbetriebe erhöhte Risiken hinsichtlich bestimmter Nachhaltigkeitskriterien bestehen.

In der zweiten Stufe werden bei ausgewählten Lieferanten, die in kritischen Warengruppen agieren, dezidierte Nachhaltigkeitsbewertungen und Überprüfungen durchgeführt – beispielsweise durch EcoVadis, Social Audits img und mobile Umfragen. Die Entscheidung, wann welches Instrument zum Einsatz kommt, erfolgt individuell und ist unter anderem von der Nachhaltigkeitsperformance und Risikoklassifizierung der Lieferanten abhängig.

2018 haben wir insgesamt 117 Vor-Ort-Bewertungen, sogenannte Audits, durchführen lassen – 29 davon bei unseren direkten und 88 bei unseren indirekten Zulieferern. Dabei geben wir den Lieferanten im Vorfeld den ungefähren Zeitraum der Prüfung bekannt („semi-announced“). Dies ist notwendig, um die Anwesenheit relevanter Ansprechpartner bei der Überprüfung sicherzustellen. Zudem haben wir 2018 insgesamt 18 sogenannte mobile Umfragen durchführen lassen. Damit haben Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unserer Lieferanten Gelegenheit, online anonyme Angaben zu den sozialen und ökologischen Standards in ihren Betrieben zu machen. Die mobilen Umfragen dienen in erster Linie dazu, einen ersten Eindruck über die Arbeitsbedingungen vor Ort zu gewinnen, um dann bei Bedarf weitere Maßnahmen wie beispielsweise dezidierte Vor-Ort-Überprüfungen (Social Audits img) einzuleiten.

Wir konzentrieren uns dabei nicht nur auf direkte Lieferanten der Telekom, sondern – soweit möglich – auch auf Zulieferer in der nachgelagerten Lieferkette. Die Effektivität dieser Audits steigern wir, indem wir mit 16 anderen Unternehmen in der Joint Audit Cooperation (JAC) zusammenarbeiten. Durch die steigende Zahl der JAC-Mitglieder steigt auch die Schnittmenge der überprüften Lieferanten, gleichzeitig werden mehrfache Audits bei einzelnen Lieferanten vermieden.

Bei der Auditierung von Lieferanten verfolgen wir das Prinzip „Qualität vor Quantität“. Deshalb legen wir unseren Fokus auf besonders risikobehaftete Lieferanten. Wir sind bestrebt, diese Lieferanten mindestens alle zwei bis drei Jahre einem Audit img zu unterziehen. Wie in den Vorjahren konzentrierten wir unsere Auditaktivitäten auf Lieferanten in Asien, vor allem in China und benachbarten Ländern wie Indien, Malaysia, Südkorea und Thailand, aber auch in Brasilien, Mexiko und Osteuropa. Zu den auditierten Lieferanten gehörten Produzenten aus den Bereichen IT-Hardware, -Software und -Dienstleistungen sowie Netzwerke und Endgeräte.

Wir verpflichten unsere Lieferanten nicht dazu, sich im Hinblick auf Umwelt- oder Sozialthemen extern zertifizieren zu lassen. Liegen keine Zertifikate in den Bereichen „Umwelt“ und „Social Accountability“ vor, wie etwa ISO 14001 img und SA8000, erwarten wir jedoch, dass vergleichbare Managementsysteme genutzt werden. Die Erfahrung aus den Audits zeigt, dass die Mehrheit unserer relevanten produzierenden Lieferanten über ein externes Zertifikat oder vergleichbare Managementsysteme verfügt. Die Überprüfung der wesentlichen sozialen und ökologischen Aspekte sowie der grundsätzlichen Menschenrechte bei unseren Audits steht im Einklang mit international anerkannten Richtlinien und Standards: Dazu gehören die ILO-Kernarbeitsnormen, die UN-Prinzipien zu Wirtschaft und Menschenrechten oder die OECD-Leitsätze für multinationale Unternehmen.

Nachhaltigkeitsüberprüfungen von Lieferanten 2018 (ohne T-Mobile USA) 

  Anzahl Überprüfungen Anzahl Feststellungen Anzahl erledigte Feststellungen Anzahl kritische Feststellungen
Social Audits 117 (88 indirekte Lieferanten) 768 594 242
Mobile Umfragen * 18 (indirekte Lieferanten) - - -
EcoVadis (20142018) 485 (direkte Lieferanten) - - -
CDP img Supply Chain ** 158 (direkte Lieferanten) - - -
Lieferanten-Präqualifizierung *** 888 (direkte Lieferanten) - - -
Summe 666 - - -

* Mobile Umfragen bei ausgesuchten Lieferanten als ergänzende, innovative Überprüfungsmethodik
** Das CDP Supply Chain Program wird bei direkten Lieferanten mit hoher Emissionsintensität angewendet.
*** Lieferanten-Präqualifizierung: Fragebogen für Zulieferer mit einem Einkaufsvolumen höher als 100 000 Euro/Jahr. Der Fragebogen umfasst auch spezifische Fragen zum Thema Nachhaltigkeit und Unternehmensverantwortung. 2018 haben wir den bestehenden Nachhaltigkeitsfragebogen im Rahmen der Lieferanten-Präqualifizierung durch den Verhaltenskodex für Lieferanten ersetzt, der für alle unsere Zulieferer bindend ist.

In der dritten Stufe optimieren wir über unser Entwicklungsprogramm für Lieferanten in enger Kooperation mit ausgewählten Lieferanten deren Nachhaltigkeitsperformance. Dieses Programm ist auf einen langfristigen und dauerhaften Fortschritt ausgelegt.

Darüber hinaus führen wir mit ausgewählten Lieferanten regelmäßig Workshops zu relevanten Nachhaltigkeitsthemen durch. Dazu gehören:

  • Emissionsmanagement
  • Vermeidung gefährlicher Stoffe und Nutzung alternativer Materialien in Produkten
  • Verlängerung der Lebensdauer
  • Reduzierung von Elektroschrott und Rücknahmeprogramme
  • Design für mehr Nachhaltigkeit und Innovation

2018 haben wir beispielsweise drei Workshops mit bedeutenden Smartphone-Lieferanten durchgeführt. In den Workshops haben wir Möglichkeiten ausgelotet, wie wir gemeinsam an nachhaltigen Designs für Smartphones arbeiten können. 2019 werden wir diesen Weg weiterverfolgen und das Thema zusammen mit unseren Partnern vorantreiben. Darüber hinaus entwickeln wir unsere technischen Spezifikationen im Hinblick auf größere Nachhaltigkeit von Produkten weiter, um entsprechende Signale in die ICT-Branche zu senden. Dabei stellen wir aber nicht nur Forderungen, sondern bringen uns auch aktiv in die Diskussion innerhalb unserer Lieferkette ein, um Impulse für nachhaltigeres Gerätedesign zu geben. So haben wir beispielsweise im Jahr 2018 auch einen Dialog mit der Chemieindustrie begonnen, um dort die Entwicklung von nachhaltigeren Materialien für Endgeräte wie Router und Media Receiver anzustoßen.

Im Rahmen der JAC Academy haben wir 2018 abschließend fünf unserer wichtigen Lieferanten trainiert. Dies umfasste nicht nur die Gestaltung und nachvollziehbare Durchführung interner Audits entlang unserer JAC-Standards und -Normen, sondern auch Vertiefungen zu relevanten Nachhaltigkeitsthemen für produzierende Unternehmen (z.B. Inhalte von „Health and Safety“-Standards).

Zusätzlich haben wir 2018 im Einkauf ein umfangreiches Risikomonitoring für Lieferanten etabliert. Dabei wird die existierende Lieferantenbasis einer erweiterten Risikoanalyse unterzogen, wobei zunächst eine Klassifizierung (Segmentierung) der Lieferanten erfolgt, unter anderem auf Basis der folgenden Kriterien:

  • Einkaufsvolumen
  • Kritische Komponenten
  • Lieferantenabhängigkeit

Je nach Segmentierungsergebnis wird ein entsprechendes Risikomonitoring durchgeführt:

  • Einfaches Monitoring:
    Für alle Lieferanten wird im Rahmen einer kontinuierlichen Überprüfung ein Finanz-, CSR- und Compliance-Scoring durchgeführt (durch eine externe Prüfgesellschaft).
  • Aktives Risikomonitoring:
    Die risikokritischsten Lieferanten werden zusätzlich mithilfe eines proaktiven Risikomonitorings hinsichtlich aller anderen global auftretenden Risiken überwacht (z.B. Naturkatastrophen, politische Risiken).

Bei signifikanter Missachtung der in unserem Lieferantenkodex festgelegten Anforderungen starten wir einen Eskalationsprozess img, um eine schnelle Lösung gemäß unseren Nachhaltigkeitsstandards herbeizuführen. Sollten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter entlang unserer Lieferkette Beschwerden bezüglich der Einhaltung von Gesetzen, internen Richtlinien und Verhaltensgrundsätzen haben, können sie diese auch anonym über unser Whistleblower-Portal melden. Das Portal ist für alle unsere Stakeholder img öffentlich zugänglich – neben Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von Lieferanten kann es etwa auch von Kunden oder Geschäftspartnern genutzt werden.

Antonio Veloso

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Antonio Veloso

Fordern und fördern: Branchenweites Entwicklungsprogramm für Lieferanten

Damit unsere Lieferanten unsere hohen Nachhaltigkeitsanforderungen erfüllen können, arbeiten wir partnerschaftlich mit ihnen zusammen. So haben wir in unserem mehrfach ausgezeichneten Entwicklungsprogramm für strategisch wichtige Lieferanten in den letzten Jahren gemeinsam mit den Teilnehmern Lösungen zu Themen wie Umweltschutz, Arbeitszeitregelungen oder Gesundheitsschutz entwickelt. 2018 haben wir unser Lieferantenprogramm als Industrieansatz unter das Dach des ICT-Branchenverbands Global e-Sustainability Initiative img (GeSI img) gestellt. Dort wird es als „Sustainable Development Program“ (SDP) fortgesetzt. So wollen wir einen Beitrag dazu leisten, die globalen Lieferketten für ICT-Produkte img auch außerhalb unserer eigenen Wertschöpfungskette nachhaltiger zu gestalten. In der zweiten Jahreshälfte 2018 haben wir das SDP als Pilotprojekt mit vier Lieferanten gestartet; ab 2019 werden sich weitere ICT-Unternehmen, deren Lieferanten und Unterlieferanten dem Programm anschließen. Eine wesentliche Neuerung des SDP-Industrieansatzes ist ein Online-Tool, mit dem sich nachhaltigkeitsrelevante Daten leichter sammeln und auswerten lassen. Außerdem ermöglicht das Tool eine einfache und effektive Erfolgsmessung aller SDP-Aktivitäten über verschiedene Kennzahlen. Dadurch lassen sich unter anderem Beiträge zu einzelnen Sustainable Development Goals (SDGs) sichtbar machen. Nachdem die SDP-Teilnehmer selbst erfolgreich das Entwicklungsprogramm absolviert haben, können sie es eigenständig nutzen und wiederum ihre eigenen Lieferanten bezüglich Nachhaltigkeitsthemen weiterentwickeln. Auf diese Weise wollen wir die Wirkung des Programms auf nachgelagerte Stufen der Lieferkette ausweiten.

Wir erwarten, dass sich auch bei den neuen Teilnehmern ähnliche Ergebnisse zeigen werden wie bei den Lieferanten, die an unserem bisherigen Lieferantenprogramm teilgenommen haben. Bei ihnen konnten wir nicht nur soziale und ökologische Verbesserungen erzielen, sondern auch ökonomisch messbare Vorteile: Bessere Arbeitsbedingungen verringern die Ausfalltage von Beschäftigten, wirken sich positiv auf ihre Motivation aus und steigern die Produktivität. All dies verbessert auch die Qualität der Produkte, was wiederum die Anzahl an Beanstandungen bei unseren Produkten senkt. Zu den ökologischen Verbesserungen zählen Ressourceneinsparungen, etwa bei Energie- und Wasserverbrauch.

Corporate Responsibility Excellence

Die Grafik zeigt Themenbereiche, die bei den teilnehmenden Lieferanten überprüft werden. Auf dieser Basis wird gemeinsam ein Maßnahmenplan vereinbart. Bei dessen Umsetzung unterstützen nicht nur Experten von der Telekom, sondern auch sachkundige externe Berater. Alle Aktivitäten und Ergebnisse werden dokumentiert, um die Wirksamkeit der Maßnahmen zu messen. Bei Bedarf werden diese korrigiert.

Lieferantenentwicklungsprogramm

Antonio Veloso

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Antonio Veloso

Auszeichnung für Klimaschutz in der Lieferkette

Die Nichtregierungsorganisation CDP img bewertet im Auftrag von Investoren regelmäßig die Klimaschutzaktivitäten von großen (börsennotierten) Unternehmen weltweit und bildet einen Index der führenden Unternehmen, die sogenannte A-Liste. In dieser Liste ist die Deutsche Telekom 2018 zum dritten Mal in Folge vertreten.

Im „Supplier Program“ des CDP befragen Firmen ihre wichtigen Lieferanten zu ihren Emissionen und ihrer Klimastrategie. Dieses Programm nutzen wir zur Befragung unserer Lieferanten. 2018 haben wir 250 Lieferanten (gegenüber 195 im Vorjahr) zur Teilnahme am „CDP Supply Chain“-Programm eingeladen. Diese Lieferanten decken 78,11 Prozent unseres Einkaufsvolumens ab. 157 Lieferanten haben am Programm teilgenommen (gegenüber 109 im Vorjahr). Sie decken 71,35 Prozent des Einkaufsvolumens ab (2017: 66,4 Prozent). Damit haben wir unser Ziel, bis zum Jahr 2020 70 Prozent des Einkaufsvolumens durch Lieferanten abzudecken, die am „CDP Supply Chain“-Programm teilnehmen, zwei Jahre früher erreicht als geplant. Auf der anderen Seite haben wir über dieses Programm gegenüber acht Lieferanten unser eigenes Engagement im Klimaschutz offengelegt.

Unser Einsatz für Klimatransparenz in den Lieferketten wurde 2018 mit der Aufnahme in das Supplier Engagement Leader Board ausgezeichnet. Letztes Jahr hatten wir im Supplier Engagement lediglich eine B-Bewertung erreicht.

Wir haben vor, unsere Lieferanten darüber hinaus bei der Reduktion ihrer Emissionen weiter zu unterstützen. So sind für 2019 Workshops mit Zulieferern geplant, in denen ihre Scope-3-Emissionen img ermittelt und daraus Potenziale zu deren Reduktion abgeleitet werden sollen.