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Corporate Responsibility Bericht 2016

Arbeiten im digitalen Zeitalter

Christian P. Illek, seit April 2015 Vorstand Personal der Deutschen Telekom<
Christian P. Illek, seit April 2015 Vorstand Personal der Deutschen Telekom

Herr Illek, was bedeutet Digitalisierung für jeden Einzelnen und für die Gesellschaft – Segen oder Fluch?

Wir erleben, dass sich unsere Welt durch Digitalisierung dramatisch verändert. Wie heißt es so passend: „Es wird nie wieder so langsam sein wie gerade in diesem Moment.“ Wir müssen uns alle darauf einlassen – ob im privaten Umfeld oder im Job. Sicher ist: Die Digitalisierung macht vor keiner Haustüre halt. Das klingt für den ein oder anderen vielleicht bedrohlich, aber wer genau hinschaut, entdeckt schnell, dass er schon längst Teil dieser Entwicklung ist: wenn wir im Internet surfen, uns in sozialen Medien vernetzen oder einfach nur unseren Kontostand online abrufen. Ich sehe das sehr optimistisch und bin überzeugt, dass uns die Digitalisierung als Gesellschaft ebenso wie als Unternehmen in der weiteren Entwicklung vorantreiben wird. Vorangegangene industrielle Revolutionen zeigen, dass die Länder und Unternehmen, die eine neue Technologie früh aufgenommen haben, diejenigen sind, die heute gut dastehen.

Das müsste für die Deutsche Telekom also ein Heimspiel sein, denn mit ihren Dienstleistungen ist sie doch maßgeblich daran beteiligt, dass Digitalisierung Teil unseres Alltags wird?

Die große Herausforderung, vor der auch wir als Deutsche Telekom stehen, ist, wie wir das über Jahrzehnte entwickelte Kerngeschäft mit Digitalisierung erneuern und unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf diesem Weg mitnehmen. Wir sind eben kein Start-up, sondern kommen aus einer gewachsenen Struktur und Kultur. Deshalb müssen wir uns natürlich Gedanken darüber machen, wie wir die Umwälzungen durch die Digitalisierung im Konzern richtig balancieren. Dabei möchten wir möglichst viele Beschäftigte in die Zukunft mitnehmen. Aber es gibt durchaus Mitarbeiter, die diese Reise nicht mehr mitmachen möchten, genauso wie jene, denen es nicht schnell genug geht. Diese beiden Pole müssen wir bei der digitalen Transformation des Konzerns berücksichtigen.

Und was sagen Sie denen, die diese Reise nicht mitgehen wollen?

Ich würde dem Mitarbeiter sagen: „Lass dich auf den digitalen Wandel ein, es gibt keine Alternative. Gestalte mit, bring dich aktiv ein. Das sichert deine Beschäftigung in der Zukunft.“ Und ich würde auf die vielen unterstützenden Angebote in unserem Konzern hinweisen, die unsere Beschäftigten befähigen, mit der Digitalisierung Schritt zu halten. Wir müssen den Menschen deutlich machen, dass es bei der Digitalisierung vor allem auch um die Sicherung der eigenen Beschäftigungsfähigkeit geht.

Und was wird durch Digitalisierung anders?

Die Arbeit der Zukunft wird in vielen Bereichen wesentlich projektbasierter sein. Die Zusammenstellung von Teams wird sehr viel heterogener sein. Wir werden uns damit auseinandersetzen müssen, dass ein Teil der Tätigkeiten, insbesondere standardisierte, repetitive Aufgaben, von intelligenten Maschinen übernommen wird. Das Thema Mitarbeiterpartizipation, also Demokratisierung des Arbeitsplatzes, wird durch die Digitalisierung einen Schub bekommen. Eigenverantwortliches Arbeiten und Selbstmanagement werden zunehmend wichtiger. Wissensmonopole beginnen sich aufzulösen, Informationen werden geteilt. Social Media, heute vielleicht noch als Spielerei abgetan, wird Haupttreiber von Prozessproduktivität sein, dessen Potenzial wir heute noch nicht genutzt haben. Und ich glaube fest daran, dass wir künftig viel mehr in virtuellen Communitys zusammenarbeiten, nicht nur innerhalb des Unternehmens, sondern auch stärker in Richtung unserer Partner und Kunden.

Und welchen neuen Herausforderungen muss sich die Personalarbeit stellen?

Gute Personalarbeit gibt Orientierung und Transparenz – sowohl im Arbeitsalltag als auch für die Dinge, die unsere Beschäftigten zur Bewältigung zukünftiger Herausforderungen in unserem Arbeitsumfeld meistern müssen. Wir unterstützen unsere Beschäftigten darin, die Digitalisierung mit ihren Herausforderungen zu meistern und mitzugestalten – als bestes Team, das die Entwicklung zum führenden europäischen Telekommunikationsunternehmen vorantreibt.

Maßgebliche Innovationen sind heutzutage meist nicht das Ergebnis von einzelnen Menschen, sondern entstehen in der Zusammenarbeit. Wir schauen uns also das Thema digital basierte, virtuelle Zusammenarbeit an, welche Trends es außerhalb unseres Unternehmens gibt und wie wir diese für unsere Personalarbeit nutzen können. Wenn Arbeit immer mobiler wird, muss auch der Zugang zu unseren Systemen über mobile Geräte möglich sein. Das wirkt sich natürlich auch auf die Art, wie wir führen, aus. Hier geben wir Impulse und zeigen, welche kollaborativen Führungsmodelle es gibt. Wir schauen auf die Arbeitsflächen, auf die Arbeitswelten, von der Gestaltung der Bürowelten bis hin zu den Anforderungen an das mobile Arbeiten.

Den richtigen Menschen zur richtigen Zeit an den richtigen Ort zu bringen, war schon immer die zentrale Aufgabe des Personalmanagements. In Zeiten, in denen alles in Bewegung ist, wird dies aber zu einer ganz anderen, viel größeren Herausforderung. Wie geht das, bei fast 220 000 Mitarbeitern?

Ein Beispiel ist unser strategisches Skill-Management. Es wird uns dabei helfen, unsere Personalplanung wirksamer zu lenken und gleichzeitig die Beschäftigungsfähigkeit der Mitarbeiter zu verbessern. Ziel dieses mit dem Konzernbetriebsrat vereinbarten Pilotprojekts ist es, die vorhandenen Kompetenzen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in einer Datenbank transparent zu machen. Auf dieser Basis lassen sich für jeden Mitarbeiter sowie jedes Team entsprechende „Skill-Lücken“ identifizieren und erforderliche Qualifizierungen anstoßen. Die Skill-Datenbank ist ein weiteres Beispiel für die produktive Zusammenarbeit mit den Sozialpartnern. Wir zeigen damit, dass Arbeitgeber und Sozialpartner bereit sind, die digitale Transformation gemeinsam im Sinne der Menschen zu gestalten. Nachdem wir im letzten Jahr den ersten Branchentarifvertrag für mobiles Arbeiten geschlossen haben, haben wir mit der Skill-Datenbank nun nachgelegt.

Wenn sich die Arbeitswelt durch Digitalisierung radikal und stetig verändert, wie halten die Menschen dann Schritt?

Ich glaube, dass sich diese Frage für die meisten Menschen gar nicht stellt. Weil Digitalisierung viele positive Effekte hat und Lebensqualität steigern kann, sind sie bereit, diesen Weg mitzugehen. Meine Erfahrung ist es, dass Menschen aufblühen, wenn sie Freiräume besitzen und sich weiterentwickeln können. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – unabhängig vom Alter – erwarten zunehmend Kreativität, Vielfalt und Offenheit von ihrem Umfeld und in ihren Aufgaben sowie individuelle Bildungs- und Entwicklungsmöglichkeiten. Sie wollen Verantwortung übernehmen und neue Herausforderungen annehmen – im Idealfall soll kein Tag dem anderen gleichen. Und wenn es nicht mehr entscheidend ist, wo und wann wir arbeiten, ständige Erreichbarkeit und Verfügbarkeit kein Zeichen von Leistungsfähigkeit mehr ist, kann der Beruf besser mit dem Privatleben vereinbart werden.

Aber kann es nicht doch sein, dass Beschäftigte vor allem Angst davor haben, durch Digitalisierung Arbeitsplätze zu verlieren? Es gibt Studien, die hier Dramatisches prognostizieren.

Es gibt Studien, die dramatische Jobverluste prognostizieren, und es gibt Studien, die sehr positive Beschäftigungseffekte erwarten. Wir werden, je nach Industrie und Branche, ganz unterschiedliche Ergebnisse haben. Und das gilt auch innerhalb unseres Unternehmens, wir werden in Bereichen Arbeitsplätze reduzieren, während in anderen Bereichen neue entstehen. Je früher ein Unternehmen das Thema Digitalisierung für sich erkennt und annimmt, desto besser ist es auf die Veränderungen vorbereitet und hat damit beste Chancen, die bestmögliche Zukunft für sich und seine Mitarbeiter zu gestalten. Ich gehe davon aus, dass wir durch digitale Möglichkeiten immer mehr Kundenbedürfnisse abdecken und mehr Dienstleistungen anbieten können. Das heißt, dass wir mehr Möglichkeiten für unternehmerisches Handeln haben und damit Beschäftigung erzeugen können.

Was die Zukunft konkret bringt, weiß ich nicht. Aber wenn ich eine positive Einstellung zum Wandel habe, wenn ich eine positive Einstellung zu Innovation habe, dann kann ich Veränderungen mitgestalten – was auch immer da kommt. Das ist die Voraussetzung dafür, dass wir bei der Deutschen Telekom die Chance auf eine gute Zukunft haben.