Strategie zur Nachhaltigkeit im Einkauf

Nichtregierungsorganisationen (NGOs) und Medien decken immer wieder Verstöße gegen Menschen- und Arbeitnehmerrechte sowie Umweltschutzstandards in der Lieferkette für Telefone, Laptops oder andere ICT -Produkte auf. Als einer der weltweit größten Telekommunikationsdienstleister mit mehr als 30 000 Lieferanten aus über 80 Ländern nehmen wir diese Problematik sehr ernst. Wir nutzen effektive Managementinstrumente, um bei Zulieferern und Herstellern menschenwürdige Arbeitsverhältnisse und einen wirksamen Umweltschutz durchzusetzen.

Nachhaltigkeit im Einkauf der Deutschen Telekom
Methoden, Tools und Stakeholder 

Tools und Methoden zur Umsetzung der Nachhaltigkeit im Einkauf
Lieferantenmanagement
  • Präqualifikationsfragebogen
  • Lieferantenauswahlprozess
  • Lieferantenbewertung
  • Lieferantenentwicklung
Risikomanagement
  • E-TASC 
  • Social Audits
  • Kompetenzaufbau bei Lieferanten
  • Eskalationsprozess 
Strategie zur Umsetzung der Nachhaltigkeit im Einkauf
Kommunikation & Schulung
  • Einkaufsportal
  • Online-Trainingstool
  • Berichterstattung zur
    Nachhaltigkeit im Einkauf
  • „Stakeholder  Dialog Day“
Vorschriften & Bestimmungen
  • Procurement Practices
  • Allgemeine Einkaufs-bedingungen, z. B. CR-Klausel
  • Sozialcharta 
  • Statement on Extractives 
Arbeitsgruppe „Nachhaltiger Einkauf“

Aufgaben: Verankerung von Nachhaltigkeit im Einkauf, Weiterentwicklung der nachhaltigen Einkaufsstrategie und Umsetzung wesentlicher Maßnahmen, Messung und Steuerung durch Key Performance Indikatoren, Unterstützung von Eskalationsprozessen, Austausch von Best Practice und Business Cases

Stakeholder 

Intern: Beschäftigte, Einkäufer, andere Arbeitsgruppen („Nachhaltige Produkte“ etc.)

Extern: Lieferanten, nachhaltigkeitsorientierte Anleger, NGOs

Die Telekom hat sich zum Ziel gesetzt, ihre Wertschöpfungskette kontinuierlich nachhaltiger zu gestalten. Mit unserer nachhaltigen Einkaufsstrategie haben wir dafür die Voraussetzung geschaffen: Wir befolgen konzernweit Grundsätze einer sozial- und umweltverträglichen Beschaffung und steuern unsere Prozesse mithilfe interner und externer Leistungskennzahlen und Managementinstrumente.

Grundlegende Normen und Standards
Die Telekom hat sich mit ihren Leitlinien und Selbstverpflichtungen soziale und ökologische Mindeststandards für ihr Unternehmenshandeln auferlegt. Auch von unseren Lieferanten fordern wir, diese einzuhalten. Hierfür verwenden wir die folgenden Dokumente:

Mit der Sozialcharta bekennen wir uns zu den Leitlinien der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO ) und der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD ) sowie zu der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte und zum Global Compact  der Vereinten Nationen. 

Verankerung im Unternehmen
Die Strategie zur Umsetzung der Nachhaltigkeit im Einkauf ist aus der CR-Strategie abgeleitet und konzernweit fest in unseren Einkaufsprozessen verankert. Die Arbeitsgruppe „Nachhaltiger Einkauf“ (Sustainable Procurement Working Group, SPWG ) erarbeitet Empfehlungen zur Umsetzung unserer nachhaltigen Einkaufsstrategie und steht unseren Mitarbeitern bei Einkaufsentscheidungen zur Seite. Die Gesamtverantwortung für das Thema „Umsetzung der Nachhaltigkeit im Einkauf“ tragen die Leiterinnen des CR- und Einkaufsbereichs gemeinsam. Sie berichten direkt an die Vorstandsbereiche Personal beziehungsweise Finanzen. In gravierenden Fällen sieht unser etablierter Eskalationsprozess  Entscheidungen auf Vorstandsebene vor. Auch für das Joint Venture BuyIn wurden Voraussetzungen für einen nachhaltigen Einkauf geschaffen.

Als Orientierung für unsere Einkäufer haben wir unsere Nachhaltigkeitsprinzipien in der Konzernrichtlinie „Global Procurement Policy“ fixiert. Die dazugehörigen „Procurement Practices“ liefern entsprechende Handlungsanweisungen für den Einkauf in Deutschland. Unsere Mitarbeiter schulen wir über ein E-Learning -Tool, das seit 2014 in überarbeiteter Form zur Verfügung steht. Unter anderem können sich unsere Einkäufer dort informieren, wie die Nachhaltigkeitsprinzipien im täglichen Geschäft umzusetzen sind.

Steuerung durch ESG  KPI  „Nachhaltiger Einkauf“
Unsere Nachhaltigkeitsleistung in der Beschaffung messen und steuern wir mit dem ESG  Key Performance Indikator (ESG  KPI ) „Nachhaltiger Einkauf”. Dieser stellt das Einkaufsvolumen von Lieferanten, die im Rahmen von Selbstauskünften, E-TASC  oder Social Audits auf soziale und ökologische Kriterien geprüft wurden, in Beziehung zu unserem gesamten Einkaufsvolumen. Unser Ziel ist es, bis 2015 75 Prozent hiervon abzudecken. In den Folgejahren streben wir an, diesen Wert kontinuierlich weiter zu erhöhen.

Bewertung des Lieferantenmanagements in Nachhaltigkeitsrankings
Jedes Jahr bewerten führende Ratingagenturen die Nachhaltigkeitsleistung von Großunternehmen. Im RobecoSAM  Corporate Sustainability Assessment 2014 erreichte die Deutsche Telekom in der Kategorie Lieferantenmanagement 93 von 100 Punkten (2013: 88 Punkte) und gehört damit zu den Branchenführern. 

Mit unserem Lieferantenmanagement konnten wir auch die italienische Nichtregierungsorganisation (NGO) „Acquisti & Sostenibilità“ überzeugen. In deren 2014 erschienener Studie „Sustainable Supply Chain Review“ erreichten wir unter 430 multinationalen Unternehmen aus 30 Branchen den ersten Platz.

Die Arbeitsgruppe Nachhaltiger Einkauf (Sustainable Procurement Working Group, SPWG ) dient uns seit 2007 als Instrument für die flächendeckende Umsetzung sozialer und ökologischer Standards im Einkauf. Der SPWG  gehören Vertreter aller funktionalen Einkaufsbereiche (wie „Endgeräte“ oder „IT“) sowie Repräsentanten der Landesgesellschaften und Verantwortliche von T-Systems International an. 2014 lag der Fokus unserer Arbeitsgruppe Nachhaltiger Einkauf darauf, das Nachhaltigkeitsmanagement im Einkauf aller internationalen Landesgesellschaften zu harmonisieren.

Bei einer Veranstaltung im März 2014 wurden den Teilnehmern noch einmal alle grundsätzlichen Elemente der Strategie zur Nachhaltigkeit im Einkauf vermittelt. Neu eingeführte, monatliche Telefonkonferenzen ermöglichten darüber hinaus Wissensaustausch, Fortschrittsprüfung und eine enge Einbindung der Teilnehmer bei der Lieferantenqualifizierung: Hierzu werden ein Großteil der strategischen Lieferanten oder solche mit erhöhtem Risiko über die Plattform EcoVadis beziehungsweise durch Audits gezielt auf Nachhaltigkeitskriterien geprüft. Mit einer konzernweiten Roadshow gehen wir seit Juni 2014 unmittelbar auf die individuellen Bedürfnisse der einzelnen Landesgesellschaften ein.



Am 26. März 2014 fand der sechste „Sustainable Procurement Dialog Day“ in der Konzernzentrale der Deutschen Telekom in Bonn statt. Insgesamt 108 Teilnehmer – darunter ausgewählte internationale Lieferanten, Vertreter von Nichtregierungsorganisationen (NGOs) sowie aus Politik und Wissenschaft und Mitarbeiter aus verschiedenen Bereichen der Telekom – nahmen an der Dialogveranstaltung teil. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie ethische Verantwortung in globalen Wertschöpfungsketten noch besser gesteuert und umgesetzt werden kann. Drei Arbeitsgruppen diskutierten die Themen menschenrechtliche Sorgfaltspflicht, Konfliktrohstoffe und Rahmenbedingungen für bessere Zusammenarbeit zwischen Zulieferern und Abnehmern.

Eine der drei Arbeitsgruppen diskutierte, wie effektive menschenrechtliche Sorgfaltspflicht für die Telekom aussehen könnte. Die Teilnehmer betonten, dass die Sorgfaltspflicht an die Erfordernisse im jeweiligen Land angepasst werden müsse. Dazu gehörten insbesondere die Aufklärung der Mitarbeiter über ihre Rechte und die Information von Konsumenten über den Umgang mit digitalen Gefahren. Für den Aufbau eines funktionierenden Nachhaltigkeitsmanagements vor Ort komme es zudem auf eine gute Zusammenarbeit mit staatlichen Institutionen, ICT -Unternehmen, Zulieferern und anderen Stakeholdern an.

Um die Zusammenarbeit mit Lieferanten zu verbessern und zu vereinfachen, empfahlen die Teilnehmer des Dialog Day, gemeinsame Standards und Nachhaltigkeitsanforderungen zu entwickeln, welche für möglichst viele Unternehmen der ICT -Branche gelten. Auf diese Weise soll auch vermieden werden, dass Lieferanten unterschiedliche Anforderungen ihrer diversen Auftraggeber prüfen und erfüllen müssen. Im Rahmen eines 2014 gestarteten Projekts strebt die Deutsche Telekom daher an, die Lieferantenanforderungen unternehmensübergreifend weiter zu standardisieren. Maßgeblich daran beteiligt sind der französische Telekommunikationsdienstleister Orange und das gemeinsame Joint Venture Buyin. Gleichzeitig wurde auf die Wichtigkeit des partnerschaftlichen Austauschs mit Zulieferern hingewiesen, um beiderseitiges Vertrauen aufzubauen und zu erhalten.

Den siebten CR Stakeholder  Dialog Day veranstalteten wir im November 2014 im chinesischen Shenzhen. Wie nachhaltiges Wirtschaften angesichts des globalen Wandels aussehen kann, diskutierte die Telekom mit 118 Teilnehmern. Eingeladen waren Lieferanten und Fachleute aus Politik, Zivilgesellschaft, Wirtschaft und Wissenschaft, darunter namhafte Vertreter des chinesischen Umweltministeriums.

Birgit Klesper, Senior Vice President Group Transformational Change and Corporate Responsibility, machte zum Auftakt deutlich: „Corporate Responsibility ist keine Frage von Wohltätigkeit. Verantwortungsvolles Wirtschaften ist auch ein Wachstumstreiber.“ Um hohe Umwelt- und Sozialstandards in der Lieferkette aufrechtzuerhalten, wurde unter anderem das Programm „Together for Sustainability“ zur nachhaltigen Lieferantenentwicklung ins Leben gerufen. „Durch deutlich höhere Rückkehrquoten zufriedener Mitarbeiter zahlen sich die Investitionen schon nach wenigen Monaten aus“, betonte Eva Wimmers, Senior Vice President Group Procurement der Telekom.

Die Arbeitsbedingungen müssen sich schon wegen des demografischen Wandel ändern. Jungfeng Zhang, stellvertretender Direktor des Internationalen Instituts für Arbeitssicherheit im chinesischen Ministerium für Humanressourcen und soziale Sicherheit, stellte fest: „Die junge Generation hat heute viel mehr Möglichkeiten und nutzt ihre eigene Stimme. Vor allem chinesische Arbeitgeber müssen sich darauf einstellen, um in Zukunft qualifizierte Mitarbeiter rekrutieren und halten zu können.“

Der Dialog in Shenzhen verdeutlichte, dass den Herausforderungen unserer Zeit nur in enger Kooperation von ICT -Industrie, Politik und Nichtregierungsorganisationen (NGOs) begegnet werden kann.

Nachhaltigkeit im Einkauf hat durch unsere „Global Procurement Policy“ eine genau geregelte Struktur. Damit die Mitarbeiter im Einkauf der Landesgesellschaften die Richtlinie praxisnah umsetzen können, vermitteln wir ihnen die Handlungsanweisungen über das E-Learning -Tool „Nachhaltigkeit im Einkauf“. Im Training werden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter über wichtige CR-Maßnahmen und Prozesse informiert und ihr Wissen wird geprüft. Beispielsweise erklärt das Tool detailliert, welche Schritte umzusetzen sind, um im Falle von Missständen Gegenmaßnahmen einzuleiten (Eskalationsprozess ).

Im Jahr 2014 wurde das Tool in einem mehrwöchigen Prozess komplett überarbeitet und aktualisiert. Über das E-Learning  haben wir zwischen August und Dezember 2014 insgesamt 490 Mitarbeiter erfolgreich geschult.