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Corporate Responsibility Bericht 2015

Digitalisierung als Gestaltungschance

Christian P. Illek, seit April 2015 Vorstand Personal der Deutschen Telekom
Christian P. Illek, seit April 2015 Vorstand Personal der Deutschen Telekom

Die Digitalisierung verändert unsere Gesellschaft und die Arbeitswelt. Welche Entwicklungen beobachten Sie?

Arbeit wird im Ökosystem Digitalisierung neu organisiert. Automation und intelligente Maschinen durchdringen unser Privat- und Arbeitsleben mehr und mehr. Wir müssen darauf achten, dass dabei der Mensch in den Mittelpunkt gestellt wird. Es geht nicht um Mensch-Maschine-Konkurrenz, sondern um Zusammenarbeit und Automation. So schaffen wir uns Freiräume als Nährboden für Innovationen. Ganz wichtig: Digitale Kompetenz ist nicht nur die Schlüsselqualifikation für Arbeit, sondern für die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben überhaupt.

Wie kann man denn die Menschen in das digitale Zeitalter mitnehmen?

Menschen brauchen zum Teil völlig andere Qualifikationen, um in dieser neuen Welt zu bestehen. Deshalb müssen sie zu einem kompetenten Umgang mit neuen Technologien befähigt werden. Wir brauchen eine Bildungsoffensive, bei der die Digitalisierung wie ein roter Faden von der Schule über die berufliche Bildung bis zur Hochschule in alle Lehr- und Studienpläne aufgenommen wird und an der sich neben Politik und Wissenschaft auch die Wirtschaft beteiligt.

Ist Digitalisierung als das entscheidende Zukunftsthema noch nicht in den Köpfen der Menschen angekommen?

Lassen Sie mich es so ausdrücken: Wir haben noch kein ausreichendes Digitalisierungsverständnis. Das ist ein Grund, warum ich es für notwendig halte, dass Informatik Pflichtfach an unseren Schulen wird. Informatik ist von der Bedeutung heute vergleichbar mit Englisch.

Und was kann der Einzelne tun?

Die Menschen sollten sich auf die Veränderung einlassen und die Digitalisierung als Gestaltungschance sehen. Das heißt, ich muss bereit sein, lebenslang zu lernen, mich weiterzuentwickeln. Wer darauf vertraut, sich im Arbeitsleben allein mit einer einmal erworbenen formalen Qualifikation zu behaupten, wird es schwer haben.

Was bietet die Deutsche Telekom ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern an, um sie fit für das digitale Zeitalter zu machen?

Wir bieten eine Vielzahl berufsbegleitender Weiterbildungen an. Unsere Weiterbildung zum Cyber Security Professional ist ein gelungenes Beispiel hierfür. Mit unserer Initiative „Teachtoday“ engagieren wir uns aber auch über unsere Unternehmensgrenzen hinaus für einen kompetenten Umgang mit digitalen Medien.

Erfordert die Digitalisierung neben neuen Ausbildungsinhalten nicht auch neue Formen der Zusammenarbeit?

Natürlich. Plakativ formuliert: Es geht um Ergebnisse statt um bloße Präsenz. Die Zusammenarbeit in einer zunehmend digitalisierten Arbeitswelt wird dazu führen, dass wir künftig partizipativer, transparenter und virtueller zusammenarbeiten werden: Die spezifische Arbeitssituation bestimmt das geeignete Arbeitsumfeld – das kann je nach Aufgabe das Arbeiten von unterwegs sein oder das Interagieren in einer offenen Bürolandschaft mit agilen Arbeitsmethoden. Das setzt die Bereitschaft der Mitarbeiter und insbesondere Führungskräfte voraus, sich auf diese neuen Möglichkeiten einzulassen. Vertrauen ist der entscheidende Treiber für diesen Kulturwandel.

Wie verändert sich denn Führung durch diese Entwicklung?

Steigende Komplexität und Volatilität der Digitalisierung zwingen uns dazu, uns von althergebrachten Führungsmodellen zu verabschieden. Führungseigenschaften und Führungsverhalten werden neu vermessen: Was früher noch mit Command & Control funktionierte, ist heute oftmals keine Lösung mehr. Digitale Kollaborationstools, wie zum Bespiel unternehmensinterne soziale Netzwerke, bringen es mit sich, dass Wissen transparenter und schneller geteilt wird, was letztlich zur Demokratisierung von Entscheidungsprozessen führt. Das Verstehen und Beherrschen solcher Tools ist für Führungskräfte im Arbeit-4.0-Umfeld von elementarer Bedeutung. Wir müssen besonderes Augenmerk auf die kulturprägende Verantwortung der Führungskräfte legen.

Stichwort Kultur: Die Telekom ist aber kein junges Start-up, sondern ein etablierter Konzern …

… der sich in der Transformation befindet. Deshalb ist es eine besondere Aufgabe für Führungskräfte, ambivalente Organisationsstrukturen zu managen. Auf der einen Seite muss das Kerngeschäft kontinuierlich optimiert werden und auf der anderen Seite müssen Innovationen und neue Geschäftsideen entwickelt werden. Das Spannungsverhältnis von Effizienz und Innovation zu managen verlangt von Führungskräften konsequentes, ressortübergreifendes Denken sowie eine bessere und intensivere Kommunikation.

Vielen Menschen bereitet die zunehmende Digitalisierung unseres Lebens, ob im privaten oder im beruflichen Bereich, Sorgen. Was sagen Sie ihnen?

Die Digitalisierung bietet faszinierende Möglichkeiten für die Menschheit. Sie kann uns helfen, Arbeit humaner zu gestalten und unser Leben zu verbessern. Denken Sie nur an die Medizintechnik. Wir sollten die Chancen dieser Entwicklung für uns nutzen. Dabei muss unser Handeln dadurch geprägt sein, dass wir den technologischen Fortschritt entlang unseres Verantwortungs- und Wertesystems gestalten. Transparenz und das Festhalten an ethischen und moralischen Grundsätzen sind entscheidende Leitplanken auf dem Weg zu einem gesellschaftlichen Konsens für das Leben und Arbeiten im digitalen Zeitalter.

Ich interessiere mich für das Engagement der Telekom im Bereich...